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Rückblick Spielzeit 2011 / 2012

Kritiker, Fachjournalisten und Juroren sind auch in der letzten Spielzeit wieder durch die Lande gefahren, um herausragende Inszenierungen und Akteure zu entdecken. Mit den Nominierungen werden gleichzeitig Trends festgestellt, die uns einen Einblick in die aktuellen Stärken oder auch Schwächen des Theaterbetriebes geben.

Das Beste vom Besten

Zum zweiten Mal hat eine Jury unter der neuen Festival-Leitung ihre Auswahl für das Treffen 2012 getroffen. Dabei wurde der Trend von 2011 fortgesetzt. Unter den zehn ausgewählten "Besten Inszenierungen des Jahres" fanden sich gleich drei, die aus dem klassischen Schema der Stadt- bzw. Staatstheaterproduktion herausfielen. Alle drei entstanden in Zusammenarbeit mit ausländischen Kultureinrichtungen bzw. politischen Institutionen.
Etwas seltsam erscheint, dass fünf der zehn auserwählten Theater in Berlin angesiedelt sind. Fehlten die Reisekosten, musste man bei der Anmietung von Spielstätten sparen oder sind die Berliner tatsächlich die besten? Interessant ist die Auswahl auf jeden Fall.

Gleich zwei Inszenierungen des HAU-Theaters (Hebbel am Ufer) waren nominiert, womit die Wettbewerbsfähigkeit des freien Theaters ein weiteres Mal unterstrichen wurde. Von Kritikern der Fachzeitschrift "Theater heute" wurde das HAU sogar zum Theater des Jahres gewählt. Wobei besonders die Arbeit von Intendant Matthias Lilienthal gewürdigt wurde. In keinem anderen Theater wurden und werden so intensiv und häufig neue Formate erprobt wie in diesem. Bei "Hate Radio" erlebt man die Gleichgültigkeit der Medien gegenüber Kriegsverbrechen per Kopfhörer, und in "Before your very Eyes" sieht man dem Wachsen von Teenagern mittels Videoperformance zu.
Trotz seiner Erfolge hat Lilienthal das HAU nach dieser Spielzeit verlassen und verlässt vorerst auch den Theaterbetrieb.

Neben der Mehrfachnominierung des HAU beim Berliner Theatertreffen wurden gleich drei Produktionen der Berliner Volksbühne in die Reihe der zehn besten Inszenierungen des deutschsprachigen Raumes erhoben. Darunter eine Koproduktion mit norwegischen Kulturinstitutionen: Der "Ibsenmarathon", dauert bis zu 12 Stunden und lädt das Publikum ein, an den Dramen von Ibsen mit eigener Aktion teilzuhaben.

Neben Berlin haben es München, Wien, Bonn und Hamburg noch unter die zehn besten gebracht. München gleich zweimal mit den Kammerspielen, darunter die dreieinhalbstündige Performance um Sandra Hüller, die nacheinander in drei Stücken der britischen Dramatikerin Sarah Kane zu sehen ist. Sicher eine sehenswerte und außerordentliche Leistung. Den 3SAT-Preis für die beste Inszenierung räumte jedoch das Thalia-Theater Hamburg mit seiner Version von Faust 1 + 2 ab. Die Kritiker von Theater heute teilten diese Begeisterung und vergaben gleich drei Jahresbestentitel für den Thalia-Faust: Inszenierung, Schauspieler und Dramaturg des Jahres. Jahresschauspieler Sebastian Rudolph ist auch in der neuen Spielzeit noch als Faust in Hamburg zu sehen.

Mit dem Titel Schauspielerin des Jahres und dem Theaterpreis Berlin wurde Sophie Rois ausgezeichnet. Die verdiente Aktrice brillierte beim Theatertreffen in der Volksbühneninszenierung "Die (s)panische Fliege" mit all ihren komischen und spielerischen Talenten.

Eine weitere Nominierung der Kritiker von Theater heute ging an Altmeister Peter Handke, der für sein Stück "Immer noch Sturm" den Titel "Stück des Jahres" abholte.
Zum Ärgernis des Jahres wurde das Buch "Kulturinfarkt" erklärt, das mit viel Rummel zum Bestseller in der Sparte Kultursachbuch wurde und auf recht oberflächliche Weise die Vergabe von Kulturfördermitteln infrage stellt.

Berliner Theatertreffen 2012

https://www.berlinerfestspiele.de/

Kritikerumfrage Theater heute

http://www.nachtkritik.de/

Das Beste im Musiktheater

Auch die Fachzeitschrift "Opernwelt" hat in einem Spielzeitrückblick Akteure des deutschen Opernbetriebes mit Besten-Titeln geehrt.

Erstmalig in der Geschichte dieser Titelvergabe wurde ein und dasselbe Opernhaus gleichzeitig zum besten Opernhaus und zum Ärgernis des Jahres erklärt. Das Opernhaus Köln hat sich unter der Leitung von Uwe Eric Laufenberg von einem schlecht besuchten Musiktheater zu einem Publikumsliebling gemausert. Mit einem guten Gefühl für Publikumswünsche und unter Einbeziehung diverser lokaler Interessen führte der krisenerfahrene Intendant das Haus trotz Etatkürzungen zu großen Erfolgen. Dafür gab es den Preis "Opernhaus des Jahres". Umso ärgerlicher, dass die Stadt Köln das offenbar nicht zu schätzen weiß und Laufenberg mit weiteren Kürzungen und Streitigkeiten konfrontierte, bis dieser das Haus verließ und damit vermutlich auch die kurze Glanzzeit der Kölner Oper beendet ist.

Großer Gewinner der Operwelt-Umfrage wurde die Oper Stuttgart mit "La Sonnambula" von Bellini. Für diese Inszenierung räumten die Stuttgarter die Titel Aufführung, Regisseur, Chor und Nachwuchssängerin des Jahres ab.

Stuttgart war auch eine Karrierestation der legendären Sopranistin Martha Mödl, die 2001 hier verstarb. Die CD "Mödl-Portrait of a legend" wurde zur CD des Jahres ernannt.

Zur Sängerin des Jahres wurde zum zweiten Mal die Schwedin Nina Stemme erklärt und den Titel Orchester des Jahres erhielt das Bayerische Staatsorchester unter Leitung von Kent Nagano.
Dresden konnte sich über zwei Titel freuen. Der neue Dirigent der Sächsischen Staatskapelle, Christian Thielemann, ist Dirigent des Jahres 2012, und an der Semperoper läuft die Wiederentdeckung des Jahres mit "Schwanda, der Dudelsackpfeifer" von Jaromir Weinberger.

Viele der genannten Inszenierungen stehen noch auf den Spielplänen. Ein guter Grund für einen Theaterbesuch und ja vielleicht auch eine damit verbundene Städtereise.

Rückblick Spielzeit 2010 / 2011

Die Befreiung des Freien Theaters

Das Berliner Theatertreffen, das sich alljährlich als Bilanzzieher der Theatersaison präsentiert, hat noch nie zuvor so viele Inszenierungen aus der Freien Szene gewürdigt wie in der vergangenen Spielzeit. Die Auswahl "der besten zehn", berücksichtigte gleich drei freie Arbeiten. Das ist enorm viel im Vergleich zur Tatsache, dass in den Vorjahren entweder überhaupt keins oder höchstens ein freies Bühnenwerk in die Auswahl kam, wobei die Regisseure regelmäßig Marthaler oder Schlingensief hießen, also eigentlich zum Etablissement gehörten.
Ein Grund für die Erneuerung des Theatertreffens ist sicher die neue Leiterin Iris Laufenberg.
Möglicherweise hat aber auch der wachsende Druck auf die Theaterwelt, sich aktiver den Fragen der Zeit zu stellen, diese Auswahl beeinflusst. Die Freie Szene war da schon immer näher an den Brennpunkten der Zeit. Der Beweis ist die Inszenierung "Verrücktes Blut", die auf überraschend radikale und zugleich absurd-witzige Weise das allseits diskutierte Thema um Integrationspolitik und deutschen Kulturverlust beim Schopfe packt. Die Inszenierung aus dem Berliner "Ballhaus Naunynstraße" ist so authentisch und stimmig, dass sie sogar den Auftritt von Laiendarstellern bei den Berliner Festspielen rechtfertigte, und zwar als Hauptdarsteller und nicht, wie bisher gerade so geduldet, als Sprechmaschinen in einem Zitaten-Chor.
Ebenfalls mit aufregender Echtheit überraschte das Bühnenkollektiv "SheShePop", seit Jahren eine feste Größe im freien Theaterbetrieb. Die sieben jungen Frauen, die seit langem einen festen Platz in der Freien Theaterszene haben, holten zwecks einer modernen König-Lear-Inszenierung ihre eigenen Väter auf die Bühne und lebten, entlang des Shakespeare-Textes den eigenen Generationen-Konflikt als verallgemeinerbares Beispiel vor.

Aber es gab noch mehr Ungewöhnliches in der Berliner Theaterauswahl 2011. Mit "Via Intolleranza Teil II" wurde Christof Schlingensief posthum geehrt, und der Frauenanteil unter den Regisseuren war mit dreißig Prozent höher denn je.
http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/03_theatertreffen/tt11_auswahl/tt11_auswahl_1.php

Die jährliche Kritikerumfrage von "Theater heute" ging weitgehend mit der Berliner Jury zusammen. Karin Beier, Intendantin und Regisseurin des Kölner Schauspiels konnte für Jelineks "Das Werk / im Bus / ein Sturz" den Regiepreis "Beste Inszenierung des Jahres" nach Hause holen. Überhaupt war das Schauspielhaus Kölner der ganz große Gewinner der diesjährigen Umfrage. Es wurde zum zweiten Mal hintereinander zum "Theater des Jahres" gewählt und auch der Titel "beste Schauspielerin" ging für Lina Beckmann ins Kölner Ensemble.

"Schauspieler des Jahres" wurde Jens Harzer, der zur Zeit im Hamburger Thalia Theater im "Don Carlos" brilliert und diesen Titel 2008 schon einmal erhielt.

Auch in der Wahl des besten Stückes entsprachen die Kritiker der Berliner Festspiele-Jury und kürten "Verrücktes Blut" zum Sieger. Das Stück ist als Filmadaption in einer Zusammenarbeit des Regisseurs Nurkan Erpulat mit dem Autor Jens Hillje entstanden.

Als beste Nachwuchskünstler wurden außerdem die Schauspielerin Manja Kuhl aus Oberhausen sowie die jungen Dramatiker Wolfram Lotz und Claudia Grehn geehrt.

Keine beste Oper im Land

Die Kritikerumfrage der Zeitschrift "Opernwelt" offenbarte indirekt die Unzufriedenheit der Fachwelt mit dem Zustand der deutschen Oper. Erstmals, seit die Umfrage durchgeführt wird, gingen die wichtigsten "Bestentitel" aus Deutschland heraus. Die deutschen Opernkritiker einigten sich auf ihre Begeisterung für die Brüsseler Oper, der sie ein hohes Maß an "geistigem Profil" zusprachen. Das Haus erntete auch gleich den Titel für die beste Inszenierung, "Les Hugenots" unter der Regie von Olivier Py.

Im nachfolgenden Ranking führte wieder, wie schon in den letzten Jahren, das Frankfurter Opernhaus, das besonders für das Werk "Murder in the Cathedral" (nach T.S. Elliot) gelobt wurde und mit Martin Kränzle auch den Sänger des Jahres beschäftigt.

"Dionysos" von Wolfgang Rihm bei den Salzburger Festspielen wurde zur Uraufführung des Jahres ernannt. Wiederentdeckung des Jahres ist das Werk "Die Passagierin" des polnischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg, der deutschen KZ’s und sowjetischen Gulags nur knapp entkommen ist und dessen Opern beinahe verschollen wären. "Die Passagierin" handelt von der Begegnung einer KZ-Aufseherin mit einer ehemaligen Gefangenen und wurde mit großem Erfolg zu den Bregenzer Festspielen uraufgeführt. Der Titel Regisseur des Jahres ging an Achim Freyer (77). Die Kritiker lobten seinen Einfallsreichtum und "seine Fantasie, die auch im Alter keine Grenzen kennt." Aber auch Freyers Bühnenwerk ist nicht in Deutschland sondern in Zürich zu erleben, wo er Schönbergs "Moses und Aron" inszeniert hat.

Zum Ärgernis des Jahres kürte die "Opernwelt" die Münchner Kulturpolitik, die arg in die Personalpolitik der Münchner Staatsoper eingriff, was laut Kritikern zu einem "kopflosen Besetzungskarussell" führte.

Auch in der Sparte Schauspiel ging der Titel "Ärgernis des Jahres" an Landespolitiker, und zwar nach Nordrhein-Westphalen, das auf die Schließung von Theatern hinarbeitete und gleichzeitig Großevents mit öffentlichen Geldern förderte.

Rückblick Spielzeit 2009 / 2010

Gelungene Experimente in schwierigen Zeiten

Gesellschaftliche Krisen galten schon immer als Nährboden für gute Kunst. Ein Rückblick auf die Spielzeit 2009 - 2010 scheint diesen Zusammenhang erneut zu bewahrheiten. Zumindest haben Krisenthemen für viele spannende Inszenierungen und gelungenen Experimente gesorgt.


Ausgezeichnetes Krisentheater

Beim Berliner Theatertreffen 2010 wurde die Tendenz zum erfolgreichen Krisentheater schon nach dem ersten Blick auf die Programmliste klar. Von den zehn eingeladenen Inszenierungen beschäftigten sich sieben auf direkte Weise mit gesellschaftlichen Krisenphänomenen. Dazu gehörte auch die Romanadaption von Falladas "Kleiner Mann - was nun?" der Münchner Kammerspiele, eine Geschichte aus der Weltwirtschaftskrise der Zwanziger Jahre, die Dank ihrer Hauptdarsteller hochaktuell wirkte. Für ihre künstlerische Leistungen bekamen Paul Herwig und Annette Paulmann den Titel "bester Schauspieler". "Der goldene Drache" von Roland Schimmelpfennig verarbeitet dagegen ein hochaktuelles Krisenthema, Ausbeutung und Gier in Zeiten der Globalisierung werden über die Geschichte einer chinesischen Imbiss-Bude erzählt. Die "Kontrakte des Kaufmanns" von Elfriede Jelinek rechnen dagegen in messerscharfer Sprachkunst mit den Akteuren der Finanzindustrie ab. In "Liebe und Geld" von Dennis Kelly wird die Entmenschlichung in einer vom Konsum beherrschten Welt vorgeführt. Die bewusste Auswahl zeitgenössischer Dramatik wurde prompt von einem verjüngten Publikumsstrom belohnt. 2010 nutzte das Berliner Theatertreffen zudem die neueste Lieblings-Präsentationsform aus der Fußballszene - im Sony-Center am Potsdamer Platz gab es zum ersten Mal Public Viewing in den Theatersaal. Die Live-Übertragungen der Aufführungen wurden besonders von jungen Leuten gut besucht.

Und hier finden Sie noch einmal die Auswahl des Berliner Theatertreffens 2010
http://www.berlinerfestspiele.de

Gelungene Experimente

Dass Gesellschaftsdramen nicht zwangsläufig bierernst inszeniert sein müssen auch das hat das Berliner Theatertreffen eindeutig bewiesen. In "Riesenbutzbach" hat Christoph Martaler die Begleiterscheinungen und Folgen der Finanzkrise auf urkomische Weise auf die Bühne gebracht. Noch nie, so meinten die Kritiker, habe ein Theater-Experiment von Martaler sich so nah an der Realität bewegt. Ein viel diskutiertes Experiment war auch das Stück "Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen" der Kölner Intendantin Karin Baier. Das Stück wurde nicht nur zum Theatertreffen eingeladen, sondern auch von "Theater heute" zur Inszenierung des Jahres gekürt. Die Kölner Produktion greift den Voyeurismus im Fernsehen auf. Das Publikum schaut in Container, die auf der Bühne stehen und sieht den Bewohnern beim Ausfechten privater Kleinkriege zu. Der Stoff ist aber nicht, wie im Fernsehen, aus peinlichen Allerweltsproblemen schambefreiter Privatleute gemacht, sondern stammt aus der Vorlage des gleichnamigen Films von Ettore Scola.
http://www.schauspielkoeln.de/

Vom Abriss des Jahres zum Theater des Jahres

Die Theaterlandschaft Deutschlands war aber auch ganz direkt von der Finanzkrise betroffen, fast überall kam es zu Etat-Kürzungen. In Köln sollte das Schauspiel sogar ganz geschlossen werden. Allerdings mit dem Vorhaben, die Spielstätte dicht zu machen, um einen modernen Theaterbau zu errichten. Ein scheinbar widersinniges Unterfangen in Krisenzeiten. Das Kölner Publikum machte deutlich, dass es sein Theater dringend braucht und auch für eine vorübergehende Zeit nicht darauf verzichten will. Die Massenproteste wurden erhört, das Kölner Schauspielhaus blieb offen und Karin Baier brachte als Intendantin neuen Schwung hinein. Gleich zwei Inszenierungen aus Köln wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen und die Kritiker feierten das Haus schließlich als "Theater des Jahres". Ein Triumph, der die Kölner Schließungspläne ad absurdum führen sollte.

Gewagte Stücke und viele beste Schauspieler in der Jahresbilanz 2010

In ihrer jährlichen Umfrage unter mehr als 40 Theaterkritikern konnte die Fachzeitschrift "Theater heute" wieder einige Besten-Titel vergeben. Die Titel "Inszenierung des Jahres" und "Theater des Jahres" gingen wie bereits erwähnt nach Köln. Mutiges und experimentierfreudiges Theater setzte sich auch in den anderen Kategorien durch.
"Bühnenbildner des Jahres" wurde Andreas Kriegenburg, der am Deutschen Theater das Kleist-Drama "Der Prinz von Homburg" ganz in Rot spielen ließ. Multi-Talent Kriegenburg kam außerdem mit nur einer Stimme weniger auf den zweiten Platz in der Kategorie beste Inszenierung mit seiner Regie-Arbeit zu Dea Lohers neuem Stück "Diebe". Hier wird die Struktur des herkömmlichen Theaterstückes gesprengt, der Theaterabend ein Kaleidoskop der menschlichen Schwächen.
Der bereits erwähnte "Goldene Drache" von Roland Schimmelpfennig wurde mit großer Mehrheit zum Stück des Jahres gewählt. Bestes ausländisches Stück wurde "Life and Times – Episode 1", ein ausgesprochenes Theaterexperiment. Textgrundlage ist das Protokoll eines Dauertelefonats, inszeniert vom Nature Theatre of Oklahoma an der Wiener Burg.
Wegen Punktgleichheit wurden gleich sechs Schauspieler zu den Besten des Jahres gekürt, ein schöner Beweis, dass sich herausragende künstlerische Qualität durch alle Häuser zieht.
Fabian Hinrichs von der Berliner Volksbühne und Paul Herwig von den Berliner Kammerspielen teilen sich den Titel "Bester Schauspieler". "Beste Schauspielerinnen 2010" sind Annette Paulmann ebenfalls an den Münchner Kammerspielen, Sandra Hüller am Schauspiel Hannover, Claudia Bauers an der Berliner Volksbühne und als Dienstälteste dieser Kategorie: Margit Bendokat am Deutschen Theater.
Um den Zuwachs an interessanten Theaterautoren braucht man sich auch keine Sorgen machen. Der Titel "Nachwuchsautor des Jahres" ging an den 1981 geborenen Nis-Momme Stockmann, der bereits mit seinem ersten Stück "Der Mann der die Welt aß" für Aufsehen sorgte.

Theaterfans können sich über alle Preisträger und nachfolgenden Plätze ausführlich im Jahrbuch 2010 der Zeitschrift "Theater heute" informieren.
http://www.theaterheute.de/de/Jahrbuch/Inhalt_jahrbucj/index.html

Christoph Schlingensief - der Künstler ist tot, die Arbeit geht weiter

Schon in der vorherigen Spielzeit hatte Christoph Schlingensief seine Krebserkrankung zum öffentlichen Theaterthema gemacht und mit seiner Inszenierung "Kirche der Angst" Aufsehen erregt. Bis kurz vor seinen Tod im August 2010 hat er diese öffentliche Auseinandersetzung fortgesetzt. Letzte Arbeiten wie die Opernregie "Metanoia" wurden posthum aufgeführt. Auch sein Werben für ein Festspielhaus in Afrika geht weiter.
Die Theaterarbeiten und Selbst-Inszenierungen des ebenso berühmten wie umstrittenen Theatermachers kann man sich im Internet anschauen.
http://www.schlingensief.com/arbeiten.php

Opernhighlights 2010

Auch die Musikwelt hat Bilanz gezogen. In ihrer Jahresumfrage für 2010 hat die Fachzeitschrift "Opernwelt" die Besten des Musiktheaters im deutschsprachigen Raum gekürt.
"Opernhaus des Jahres" wurde die Oper Basel, die damit ihren Titel von 2009 verteidigen konnte. Gewürdigt wurde die Kontinuität des Hauses und der positive Dialog zum Publikum und zwischen den Sparten, wie er von Intendant Dietmar Schwarz gepflegt wird. Auf Platz Zwei der besten Opernhäuser steht die Frankfurter Oper, die mit dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester außerdem das "Orchester des Jahres" beheimatet. Der Titel "Inszenierung des Jahres" ging nach Brüssel für die Oper "Macbeth". "Opernregisseur des Jahres" wurde Stefan Herheim, der mit seiner Bayreuther Parsifal-Inszenierung im Jahr 2009 bereits den Titel Inszenierung des Jahres nach Hause geholt hatte. Herheim wird auch 2011 wieder den Parsifal in Bayreuth inszenieren.
Als "Ärgernis des Jahres" wurde die Kulturpolitik der Stadt München gegeißelt, die sich durch ihren rüden Umgang mit den Star-Dirigenten Kent Nagano und Christian Thielemann blamierte.
Für Opernfans, die auch außerhalb des Theaters nicht auf großartige Hörerlebnisse verzichten wollen, wird alljährlich die "CD des Jahres" gekürt. Dieser Titel ging 2010 an die italienische Sängerin Cecilia Bartoli und ihre CD "Sacrificium", eine Sammlung von Arien, die ursprünglich für Kastraten geschrieben wurden.

Ausführliche Würdigungen der größten Leistungen innerhalb der Opernwelt in der Spielzeit 2009/2010 kann man im "Jahrbuch 2010" der Zeitschrift "Opernwelt" nachlesen.

Bestellungen sind über diesen Link möglich:
http://www.kultiversum.de/Musik-opernwelt/Jahrbuch-2010-Inhaltsverzeichnis.html

Große und leise Töne in Bregenz

Die Bregenzer Festspiele waren auch 2010 wieder ein Highlight für Opernfans und solche, die es werden könnten. Die spektakuläre Aufführung von Verdis "Aida" auf der Bregenzer Seebühne übersteigt sämtliche Maßstäbe, die an herkömmlichen Opernspielplätzen möglich wären. Gigantische Kulissen und Lichtshows, dazu das einzigartige Open-Air-Ambiente und hochkarätige Künstler sorgten für einen unvergesslichen Abend.
Neben der prunkvollen Klassiker-Inszenierung waren die Festspiele aber auch wieder eine Werkschau der modernen Oper. Die diesjährigen Uraufführungen beschäftigten sich in der Reihe "Kunst aus der Zeit" mit Stoffen aus der deutschen Vergangenheit und thematisierten den Holocaust über individuelle Erfahrungen ihrer Protagonisten. Auch im Jahr 2011 wird es die Bregenzer Festspiele wieder geben.
http://www.br-online.de/br-klassik/bregenzer-festspiele-aida-2010-ID1279294491504.xml
http://www.bregenzerfestspiele.com/de/
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